Die aktuelle Lage ist eine Herausforderung für alle. Privat genau so, wie für Unternehmen. Die Mittelständischen Unternehmen scheint es mit am härtesten zu treffen (rein aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet). Aber was ist das Gebot der Stunde? Und was muss sich zukünftig ändern? Die Digitalisierung steht an, dringender denn je.

Digitalisierung und Digitale Transformation

In der aktuellen Lage ist die Aufrechterhaltung der Liquidität das erste, was zählt. Lieferanten und Zulieferer können teils nicht mehr liefern oder nur mit erheblichen Verzögerungen. Die Produktion ist dadurch eingeschränkt oder muss heruntergefahren werden. Und die Nachfrage sinkt, aufgrund der Unsicherheit bei den Abnehmern. Dazu kommen noch Zahlungsprobleme von Kunden, für die noch Lieferungen durchgeführt werden konnten.

Der organisatorische Aufwand und Overhead steigt: Das Thema Homeoffice (bzw. eigentlich eher “Mobiles Arbeiten”) nimmt immer mehr Fahrt auf, natürlich nur zwangsläufig. Deutschland ist im Bereich des digitalen Arbeitens noch rückständig (wenn es auch nicht mehr komplettes “Neuland” ist). Homeoffice war bisher eher schwierig, da viele Unternehmen damit aus deren Sicht zu wenig Kontrolle haben. Anwesenheit hat mehr gezählt als das Ergebnis. Dann kam COVID-19 und plötzlich, innerhalb weniger Tage, funktioniert es auch mit dem Homeoffice. Das ist natürlich branchen- und funktionsabhängig, aber machbar.

Aber es zeigt auch die massiven Probleme in Deutschland, speziell im Mittelstand. Und das nicht nur im hier und jetzt, sondern auch für die Zeit nach Corona. Über was muss sich der Mittelstand zukünftig Gedanken machen – und was könnte man ändern? Ein paar Ideen.

  1. Digitalisierung von Arbeitsplätzen und Digitale Kommunikation
  2. Digitalisierung und Optimierung der Wertschöpfungskette
  3. Erstellen und Ausweiten Digitaler Geschäftsmodelle

Digitalisierung von Arbeitsplätzen und Digitale Kommunikation

Der böse Schritt ins Homeoffice ist vollzogen. Wenigstens für einen größeren Anteil der Arbeitnehmer als bisher. Selbst konservative Unternehmen, die ein außer-Haus-Arbeiten nie in Betracht gezogen haben, ermöglichen das kurzfristig. Und es funktioniert nach einigen Anfangsschwierigkeiten sicherlich in den meisten Fällen. Moderne Kommunikationsplattformen wie Microsoft TEAMS oder SLACK helfen beim Arbeiten. Durch Chat und Videokonferenz kommen Mitarbeiter näher zusammen, unabhängig des Arbeitsortes. Alles, was jetzt auf die Schnelle eingeführt wurde, muss aber nach der Krise vernünftig und langfristig organisiert und geplant werden. Workflows, für die bisher keine Zeit war, müssen nachgezogen werden. Datenschutz- und Datensicherheit muss beleuchtet werden.

Aus den behelfsmäßigen Homeoffice-Lösungen, aus den einzelnen Flecken moderner Arbeitsweise, muss nun ein fundiertes Konzept werden. Aus der Not heraus geborene Abläufe und Maßnahmen müssen optimiert und in die Breite des Unternehmens gebracht werden. Es wird Mitarbeiter geben, die kein Homeoffice möchten, auch das muss beleuchtet und geschätzt werden. Die Wahrnehmung darf sich nicht hin zum Mitarbeiter zweiter Klasse ändern, der kein Homeoffice möchte. Soft Skills sind gefragt. Und aus all diesen kleinen Bausteinen muss das Unternehmen etwas größeres kreieren, gestärkt daraus hervorgehen und positive Effekte generieren. Nur diese Unternehmen werden langfristig mithalten können.

Digitalisierung und Optimierung der Wertschöpfungskette

Der erste Schritt ist getan: Die Mitarbeiter können arbeiten. Jetzt gilt es, diese in das große Ganze der Wertschöpfungskette einzubinden.

Das Gabler Wirtschaftslexikon sagt dazu:

Nach Porter gibt es fünf Primäraktivitäten, die den eigentlichen Wertschöpfungsprozess beschreiben: interne Logistik, Produktion, externe Logistik, Marketing & Verkauf und Service. Außerdem gibt es vier Unterstützungsaktivitäten, die den Wertschöpfungsprozess ergänzen: Unternehmens-Infrastruktur, Human Resource Management, Technologie-Entwicklung und Beschaffung. Jede Unternehmensaktivität stellt einen Ansatz zur Differenzierung dar und leistet einen Beitrag zur relativen Kostenstellung des Unternehmens im Wettbewerb.

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wertschoepfungskette-50465

Das bedeutet nicht anderes, als alle produktiven Prozesse im Unternehmen unter die Lupe zu nehmen und zu optimieren. Es geht hierbei nicht darum, aus schlechten Prozessen, schlechte Digitale Prozesse zu machen. So können beispielsweise Lagerkosten durch eine bessere Koordination mit den Lieferanten minimiert werden. Dies wird durch entsprechende Software ermöglicht. Über KI-Methoden können Lieferzeiten entsprechend dem Verkehr angepasst werden. Durch Maschine Learning kann eine Predictive Maintenance für die Maschinen eingeplant werden, in Abhängigkeit der anstehenden Aufträge und zu erwartenden Ausfälle oder Stillstandszeiten. Aus dem Service gemeldete statistische oder konkrete Daten können zeitnah in die Produktion zurückfließen, um gewisse Parameter anzupassen. Und der Einkauf kann bei Lieferanten und Zulieferer automatisch anhand der Artikelaufrufe auf der Webseite Preise proaktiv anfragen, um einem möglichen Ansturm gerecht zu werden. Es ist viel Potential vorhanden, damit ein Unternehmen auch weiterhin konkurrenzfähig bleibt. Allerdings leitet uns das direkt zum nächsten Thema über.

Erstellen und Ausweiten Digitaler Geschäftsmodelle

All diese Beispiele sind Bausteine, um aus dem Schatten des Digitalen Entwicklungslands herauszutreten. Aber es müssen auch Schritte nach vorne gemacht werden. Es müssen neue Wege überdacht werden, wie Kunden erreicht und wie ihre Bedürfnisse und Anforderungen einbezogen werden können. Es müssen Fragen beantwortet werden: Was ist mein Angebot an den Kunden? Wer ist mein Kunde und wie kommuniziere ich mit ihm? Wie wird die Leistung erbracht? Wie wird der Umsatz generiert und wie erfolgen Transaktionen? Digitale Geschäftsmodelle beziehen viele Stakeholder mehr ein, bringen sie oft näher zusammen. Und erlauben oft auch einen tieferen oder schnelleren Austausch zwischen Kunde und Produktion. Sie fräsen Metallteile? Dann geben Sie Ihren Kunden die Möglichkeit, die CNC-Maschinen direkt über ein Portal mit Plänen zu betanken. Verwenden Sie doch mal Twitter zum Kundensupport. Oder wie wäre es, wenn Sie Ihr Produkt kostenfrei verfügbar machen und nur die dazu notwendigen Daten monetarisieren? Die Möglichkeiten sind unendlich.

Das ist ein Teil der Digitalen Transformation – aber es ist essentiell, dass der Mittelstand in Deutschland aktiv damit beginnt. Das Innovationsrad wird sich nach Corona schneller drehen. Unternehmen müssen mitdrehen, um nicht unterzugehen.

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